Keine Krankenversicherung - und nun? Ist die europäische Krankenversicherung (EU-KV) DIE Lösung?

In den sozialen Netzwerken wird seit einiger Zeit die europäische Krankenversicherung stark beworben. Da findet sich u.a. folgender Artikel….

unternehmen.handelsblatt.com/keine-krankenversicherung.html

So ganz teilen wir den Artikel nicht.
In Deutschland besteht seit 2007 eine Pflicht zur Krankenversicherung. Jeder der derzeit nicht versicherten Bundesbürger hat ein Beitrittsrecht und muss auch versichert werden. Dass es also immer wieder zu Absagen von Krankenversicherern in derartigen Fällen kommt, kann nicht sein. Das Beitrittsrecht besteht dort, wo der Kunde zuletzt – auch wenn dies schon Jahrzehnte her ist – versichert war. Selbst wenn dies die private Krankenversicherung war, muss diese ihn auch wieder versichert.

Der Blick ins Nachbarland – auf die Europäische Krankenversicherung – sollte mit größter Vorsicht erfolgen:
- Ja, der Leistungskatalog ist durchaus gut oder zumindest (je nach gewähltem Tarif) akzeptabel
- Ja, die Beiträge heute sind gerade im Vergleich zu Deutschland eher gering
- Ja, dort beginnt die Versicherung zum beantragten Datum, sogenannte Strafbeiträge für die Vergangenheit sind nicht zu zahlen.

Zwei Argumente sprechen deutlich gegen diesen Weg:

  1. Wie schon gesagt besteht in Deutschland eine Pflicht zur Versicherung, für alle Bundesbürger. Die Europäische Krankenversicherung ersetzt diese verpflichtende Versicherung nicht. Wer sich also nicht im Inland versichert, verstößt gegen ein Gesetz. Und nur einmal angenommen, die Bundesregierung leitet Maßnahmen zur Prüfung ein, ob auch alle Bürger versichert sind, passiert folgendes:
    - Es erfolgt ein Abgleich zwischen Melderegister und Datenbestand der Versicherer
    - Dabei wird festgestellt, dass in Deutschland keine Krankenversicherung besteht
    - Dies führt zu einer Einzelfallprüfung, ob das korrekt ist. Stellt es sich als nicht korrekt heraus, werden für die Vergangenheit Strafbeiträge erhoben (denn die Nicht-Versicherung geht letztlich zu Lasten der Solidargemeinschaft). Und sicher nicht nur eine Vermutung: Den Gesetzgeber interessiert bei der Festlegung der Strafbeiträge bestimmt nicht, ob in der Vergangenheit in England Beiträge zur Europäischen Krankenversicherung gezahlt wurden oder nicht
  2. Die Beiträge der Europäischen Krankenversicherung sind ohne Altersrückstellungen kalkuliert. Der heute 30 Jährige zahlt also auch nur die Prämie, die dem Risiko des 30-Jährigen entspricht. Soweit so gut. Daraus folgt: im nächsten Jahr steigen die Beiträge auf das Risiko des 31-jährigen und so geht es munter weiter. Erfahrungen darüber, wo die Beiträge für einen 60jährigen oder einen 70jährigen liegen, gibt es noch   nicht. Aber wir brauchen nur die Statistiken der deutschen Versicherer zu bemühen um zu wissen, dass wir in den vierstelligen Bereich vorstoßen werden… Ist das dann – wenn die Absicherung am dringendsten benötigt wird – noch leistbar.


Wir sehen, das wird deutlich, das Thema enorm kritisch und raten davon ab. Mehr gerne im Rahmen einer persönlichen Beratung.